Page 5 - iWEST® News Equitana Ausgabe 2017
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Webseiten zum Thema:
Journal für klinische Endokrinologie und Stoffwechsel (2010) www.kup.at/kup/pdf/8980.pdf
www.nature.com/news/the-tantalizing-links-bet- ween-gut-microbes-and-the-brain-1.18557
www.welt.de/wissenschaft/article885576/Forscherentdecken-Geruchssensoren-im-Darm.html www.geo.de/wissen/13364-rtkl-neurologie-wie-der-bauch-den-kopf-bestimmt www.spektrum.de/news/die-darm-hirn-achse/1378268 https://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detailansicht/presse/460/ http://www.medmix.at/verbindungen-zwischen-darmflora-und-gehirn/
der Bildung von Serotonin provozieren, was dann wiederum zu Erkrankungen wie Durchfall, Verstopfung oder Darmentzün- dung führt.
Bedeutung der Darmflora
Der Magen-Darmtrakt mit seinem Nerven- geflecht ist eine Sache, hinzu kommen aber noch Billionen von Mikroben, die wir im Darm beherbergen. Und jetzt wird es ganz spannend: auch die Darmbakterien schei- nen bei unterschiedlichen Verhaltenswei- sen und Befindlichkeiten eine große Rolle zu spielen. Man geht davon aus, dass sie Substanzen produzieren können, die die Blut-Hirnschranke passieren und in das Ge- hirn gelangen.
Interessant dazu sind folgende Experimen- te: man hat schüchternen Mäusen Darm- bakterien von sehr mutigen Mäusen ver- abreicht – erstaunlicherweise änderte sich dadurch das Verhalten der schüchternen Mäuse: sie wurden viel mutiger.
In einem anderen Versuch wurde festge- stellt, dass Mäuse, die gar keine Darmflora besitzen, weniger Angst zeigen und un- vorsichtiger sind als ihre Artgenossen mit normaler Flora. Und wieder andere, die zu ihrer normalen Darmflora bestimmte Lak- tobazillen zugefüttert bekamen, wurden mutiger und versteckten sich nicht mehr.
Zudem stieg die Aktivität des Vagusnervs an.
Beim Menschen gibt es auch erstaunliche Zusammenhänge zwischen der Zusam- mensetzung der Darmflora und Überge- wicht. So haben normalgewichtige Men- schen eine viel artenreichere Flora als dicke. Bei den Übergewichtigen wurden zudem häufig spezielle Mikroben gefun- den, die Ballaststoffe, die normalerweise ausgeschieden werden, noch in Zucker aufspalten können. Hier wird dann also so- gar energiearme Nahrung so effizient ver- wertet, dass sie dick machen kann.
Bei autistischen Kindern konnte man fest- stellen, dass sie ebenfalls eine reduzierte Darmflora aufweisen und dass ihnen au- ßerdem 3 Gruppen von kohlenhydratspal- tenden Bakterien komplett fehlen.
Seit Jahren vermutet man einen Zusam- menhang zwischen der Magen-Darmge- sundheit und dem Auftreten von Parkinson. Ganz aktuell gelang Forschern am Califor- nia Institute of Technology in einer Studie an Mäusen der Nachweis, dass Darmkeime zentralen Einfluss auf die Symptome bei Parkinson haben. Das könnte zu völlig neu- en Therapien dieser schrecklichen Erkran- kung führen.
Ganz interessant auch die Erkenntnisse des Neurologen John Cryan (Professor für
Neurowissenchaften am University College Cork in Irland). Der Wissenschaftler geht soweit zu sagen „wir sind Marionetten un- serer Darmbakterien“ und „unsere Darm- bakterien beeinflussen, wie es uns geht und wie wir uns verhalten“. So fand er unter anderem heraus, dass bei Menschen mit traumatischen Kindheitserfahrungen die Zusammensetzung der Darmflora sich von der von Menschen ohne solche Erfahrun- gen dramatisch unterscheidet. Man kann also im Darm ablesen, ob man in seinem früheren Leben Stress ausgesetzt war und es ist zudem erwiesen, dass Menschen mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit mit größerer Wahrscheinlichkeit in ihrem weiteren Leben psychisch erkranken. Bei Mäusen funktioniert es auch umgekehrt: nimmt man ihnen die Bakterien, leiden sie an Dauerstress.
Viele Fragen sind noch offen, viele Zusam- menhänge noch ungeklärt. Aber die Gast- roneurologen forschen auf diesem Gebiet seit Jahren und kommen zu immer neuen, hochspannenden Erkenntnissen. Möglicher- weise können in naher Zukunft sogar Krankheiten oder auch psychische Proble- me ganz einfach therapiert werden, indem man die passende Darmflora einsetzt.
Dr. med. vet. Dorothe Meyer
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