Page 2 - iWEST News 1/2019
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Ein herzliches Grüß Gott
zu unseren neuen iWEST® News.
Diese Ausgabe befasst sich mit Salz. Erstaunlich, wie viel man über Salz (und seine Bestandteile Säure und Base) schreiben kann, ohne – nebenbei be- merkt – das Thema auch nur annähernd umfassend behandelt zu haben. Wir kratzen in den News nur ein wenig an der Oberfläche und versuchen im wahrsten Sinne des Wortes, Fakten auf den Tisch zu legen. Sie haben – wir haben uns bemüht, die Dinge einfach darzustel- len – einmal mehr eine etwas mühsame Lektüre vor sich. Aber wir trauen Ihnen persönlich viel zu, auch dass Sie sich im Interesse Ihres Pferdes durch die Artikel kämpfen.
Naturwissenschaftliche Fakten kontra geschürte Ängste, Ideologien und Desin- formationen. Wir scheinen zunehmend – nicht zuletzt dank Internet und seiner Unzahl an Informationen und Desinfor- mationen – tatsächlich in einem post- faktischen Zeitalter zu leben. Wissen und Fakten zählen nicht, Meinungen und Gefühle sind „in“. Natur ist gut. So gut, dass man sie gar nicht kennen muss: Na- tur ist einfach nur gut, Punkt und Basta. Es genügt deshalb, die wahnwitzigste Behauptung in irgendeinen Zusammen- hang mit der Natur zu stellen und schon ist „etwas“ oder eine Person „gut“ und alle anderen ohnehin „gegen die Na- tur“. Schwarz oder weiß, Anhänger oder Feind, wer lässt sich schon gerne seine Meinung durch Fakten vermiesen. Wis- senschaftliche Fakten sind out, Meinun- gen sind in.
Wissenschaftlicher Fortschritt lebt von einer These, die in der Wissenschafts- welt anschließend – durchaus sehr kon- trovers – diskutiert wird. Deshalb ist die Lehrmeinung auch wandelbar und möglicherweise der Irrtum von morgen. Wissenschaftler nehmen es nicht per- sönlich, wenn die Thesen ihrer Arbeiten durch neue, in der Methodik bessere Ar- beiten widerlegt werden.
In den Naturwissenschaften wird – wie der Name schon vermuten lässt – aus-
gerechnet die Natur erforscht. Dennoch sind insbesondere die Naturwissen- schaften im Fadenkreuz der Kritik, (Bio-) Chemie ist gegen die Natur, weiß doch jeder! Essen ist zwar praktizierte Bioche- mie, aber so genau wollen wir das auch wieder nicht wissen. Manche gehen zwar zum Arzt, aber sind dennoch da- von überzeugt und postulieren das auch im Internet: die evidenzbasierte Medizin mache krank, bzw. sei zu raffgierig, um die Ursache aller Befindlichkeitsstörun- gen, ja sogar übler Krankheiten in einer Übersäuerung aufgrund unseres natur- fremden Lebenswandels zu erkennen und mit einem Basenpulver oder einem Kraut zu heilen.
Beim Schreiben der Artikel kam uns die Erkenntnis, dass wir vermutlich deshalb so wenig von der „Natur“ sprechen, weil uns ihre Spielregeln und Abläufe viel zu vertraut sind. Es ist schnell erklärt, wieso wir nie auf die Idee kamen, Magensäure oder die Übersäuerung des Pferdekör- pers mit Natron zu puffern. Es stellt einen massiven Eingriff in die und zudem eine Respektlosigkeit gegenüber der Natur dar, denn der Organismus und seine Regulationsmechanismen sind ein Wun- derwerk der Natur. Die Magensäure hat ihren Sinn, ihre Menge wird von diesem Wunderwerk reguliert, nur wer dieses Wunderwerk der Natur nicht kennt oder gar missachtet, kann auf die Idee kom- men, Natriumbikarbonat zu füttern.
Weil der Speichel ja auch Bikarbonat enthält, ist das dann angeblich „natür- lich“ und damit automatisch auch „sanft“ und gut. Eben nicht! Wenn die Natur die- se Ansicht teilen würde, würde der Or- ganismus mehr Natriumbikarbonat pro- duzieren, als er es tut. Nur wer die Natur nicht kennt, kann derart respektlos han- deln und in unglaublicher Arroganz auch noch davon überzeugt sein, irgendetwas besser zu machen als die Natur!
Nur wer die Chemie der Mineralstoffe nicht kennt, kann behaupten, organisch gebundene Mineralstoffe seien „natür-
lich“. Das pure Gegenteil ist richtig: sie sind in Ergänzungsfuttern eingesetzt ausgerechnet das Ergebnis einer ge- zielt industriell genutzten, chemischen Synthese, die das (natürlicherweise!) anorganische Mineral künstlich an eine Aminosäure bindet und damit der Zwangsaufnahme im Dünndarm unter- wirft. Mineralien in organischen Verbin- dungen finden sich ausgerechnet nur zu einem kleinen Teil in der natürlichen Nahrung des Pferdes. Der überwiegen- de Teil der aufgenommenen Mineralien (Mengen und Spurenelemente) stammt aus dem Boden und ist anorganisch ge- bunden!
Vielleicht reden wir selbst deshalb nicht so viel von der Natur, weil wir im Studium so viele Jahre damit verbracht haben, ihre Grundlagen kennenzulernen, weil es seit Jahrzehnten unsere alltägliche Auf- gabe ist, sie immer besser zu verstehen und unsere größte Sorge ist, gegen die Natur zu handeln und dieses Wunder- werk zu schädigen.
Ja, wir sind sogar stolz darauf, natur- wissenschaftlich zu denken und finden Fortschritte der Medizin großartig. Denn wir verdanken diesen Fortschritten, dass z.B. manche Krebserkrankungen kein Todesurteil mehr bedeuten, sondern heute eher eine chronische Erkrankung geworden sind. Ein Herzschrittmacher mag nicht natürlich sein, für einen Men- schen und seine Angehörigen bedeutet er eine ganze Welt.
Die Natur ist wirklich großartig, wir kön- nen nur bewundernd einen kleinen Teil dieses enormen Regelwerkes erfassen, eines ist Natur aber bestimmt nicht: sanft und schon gar nicht korrekturbedürftig. „Korrekturen“ und sonstige Verstöße ge- gen ihre Gesetze bestraft sie keineswegs sanft, sondern knallhart! Wir nehmen Sie also mit auf eine Reise in die Welt der Säuren und Basen, der Salze und der Regelmechanismen und hoffen so sehr, Sie finden das auch spannend!
Ihr iWEST®-Team
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